Wenn eine Webseite anfängt viele Daten auszuliefern ist es irgendwann sinnvoll diese Tätigkeit einem spezialisierten Anbieter zu überlassen. Betreiber von Content Delivery Networks (CDN) stellen in Rechenzentren auf der ganzen Welt Server auf und versprechen der Webseite, den Content von einem Server auszuliefern, der möglichst nahe beim Kunden steht. Der Betreiber der Webseite verspricht sich hiervon 2 Vorteile: 1) der Kunde bekommt seine Daten schneller und 2) der Betreiber der Website braucht selber keine großen Kapazitäten vorhalten, sondern überlässt die Skalierung dem CDN. Wie groß der Effekt von Punkt 1 ist, hat Tom Leighton von Akami kürzlich in der ACM-Queue vorgestellt:

Die kürzeren Paket-Laufzeiten sind für Websites wie unsere, die fast ausschliesslich Kunden in Deutschland oder Europa haben, irrelevant. Wegen Punkt 2, der Skalierung, hatte ich mir mal CDNs angeschaut aber mich dann doch dagegen entschieden. Die Traffic-Menge ist noch nicht so signifikant.
Amazon hat mit CloudFront einen Dienst vorgestellt, der einem erlaubt auf S3 eine “Optimierungsschicht” vorzulegen. S3 liefert die Daten von da aus, wo der Betreiber sie hochgeladen hat. CloudFront nimmt diese Daten und liefert sie von da aus, wo der Kunde sitzt.
Ich habe mir mal die Preise von Amazon CloudFront genauer angeschaut und sie mit einem anderen CDN vergleichen. Welches darf ich leider nicht sagen, es war aber eher ein mittelpreisiges. Nennen wir es einfach X-CDN. Was mir dabei aufgefallen ist: CloudFront ist wesentlich günstiger als X-CDN für große Dateien. Aber für kleine Dateien ist es ziemlich teuer!
So viel kostet die Ausliferung für 1.000.000 Abfragen für einige typische Dateigrößen:
| Dateigröße | CloudFront | X-CDN | Differenz |
|---|---|---|---|
| 265 byte (Icon) | €0.93 | €0.08 | -92% |
| 1.024 byte (Navigationselement) | €1.02 | €0.30 | -71% |
| 2.984 byte (unser Logo) | €1.25 | €0.86 | -31% |
| 5.260 byte (Schnittpunkt) | €1.52 | €1.52 | 0% |
| 6.048 byte (Cover bei Hitmeister) | €1.61 | €1.75 | +8% |
| 3MB (Video) | €355.60 | €866.13 | +144% |
Die Preisliste bei X-CDN war unverhandelt, das heisst da geht bestimmt auch noch was.
Mein Fazit: Amazon CloudFront ist gar nicht so günstig, wie oft angenommen wird (mehr dazu siehe Eckenfels IT-Blog oder Blogaddict. Netzwertig hatte die Preise schon korrekt eingeschätzt). Bevor man blind zu Amazon CloudFront rennt sollte man durchrechnen, ob sich ein normales CDN wie Akamai, Panther Express oder Limelight sich nicht doch rechnet und dort entsprechende Angebote einholen. Der Setup ist m.E. dort auch oft einfacher, da man nicht über S3 gehen muss und die Gebühren sind - wie man sieht - je nach Nutzungsverhalten nicht unbedingt höher.
Nachtrag Wenn ein Anbieter von CDNs hier seine Preise offen legen möchte, trage ich das gerne nach!
Welche Setup Kosten haben denn die üblichen CDNs im Gegensatz zu Amazon? In deiner Rechnung sieht man ja dass bei einer Million PI man vielleicht 20Eur liegt…. mit welcher S3 Abrufrate hast du gerechnet?
Bernd Eckenfels
Januar 6th, 2009
Also in dem Angebot, was mir vorlag, waren die Setup-Kosten für das CDN 0. Es gab einen Mindestumsatz von € 100 im Monat.
Bei S3 habe ich die tatsächlichen GET-Abfragen (1.000.000) draufgerechnet. Zudem habe ich da 2 Datei-Uploads pro Monat hinzugezählt. Das macht den Braten aber nicht wirklich fett.
Jan
Januar 6th, 2009
Ich denke mit 10% bei den GET Requests (oder noch weniger) bei häufig abgefragten Files kommt man eher hin. Die CDN Sites cachen ja. Der Mindestumsatz ist bei kleineren Web Sites sicher ein Knackpunkt.. es braucht schon viele Hits bis man bei amazon 100Eur vollbekommt.
Bernd Eckenfels
Januar 8th, 2009
hmm,
wo liegen denn eigentlich tatsächlich irgendwelche Vorteile typischer CDNs für den Distributor wie den Anwender? Bei den Preisen kann man heute selbst bei klassischen NOCs mit gut gepflegtem Peering ähnliche Performance wie Kostenstrukturen erreichen - mit dem Unterschied das man ohne Einbußen oder zusätzlichen Aufwand voll-dynamischen Content ausgeliefert bekommt.
Beispiele:
- Für hauptsächlich in Europa tätige Unternehmen bieten sich eine Vielzahl - vor allem binneneuropäisch - “gutkonnektierter” wie “-gepeerter” NOCs und Hosting-ISPs an.
- eine ganze Reihe Regionen - z..B. in Afrika oder middle east - sind bis heute über Europa oder Amerika per Sattelit (IP Trunking Strecken) “angebunden”. Lokales Peering wie IP-Exchanges gibt es dort oft nicht oder sind von keinem der CDN Anbieter tatsächlich “besser” konnektiert.
Bei RTTs von über 500ms machen 10-20ms nix aus, was der User merken würde. Aber auch in vielen Ländern / Regionen mit terrestrischer Konnektivität sieht es kaum anders aus - auch wenn man RTTs um die 100-150 erreicht.
Der “Flaschenhals” gerade bei kleineren und mittleren ISPs sind deren Uplinks/Upstreams - da kann auch kein CDN weiterhelfen.
- sicher gibt es eine ganze Reihe langsamer / schlechter “Übersee-Strecken” nach Amerika oder Fernost, aber wer die nutzt, ist selbst (Mit-)Schuld.
M.E. würde den meisten heutigen CDN-Anwendern in Mitteleuropa ein guter NOC Partner ebensolche Dienste - allerdings ohne die mit CDN verbundenen Einschränkungen - bieten können. Wenn tatsächlich nötig kann man notfalls zwei oder drei gutplatzierte “Spiegel” auf dem Planeten betreiben.
Für US-Unternehmen mögen CDN schon mehr Sinn machen, da deren Peeringstrukturen und Netze vielerorts qualitativ merklich schlechter sind als z.B. in Mitteleuropa.
Sicher wird es einzelne Anwender geben, die auf eine kurze Paketlaufzeit (bei nicht volldynamischen Inhalten) angewiesen sind - aber dabei dürfte es sich wohl eher um “exotischere” Applikationen handeln.
Amazon freut der CDN-Boom sicherlich sehr, kann man doch so seine eigenen Strukturen weithin refinanzieren bzw. sogar Geld damit verdienen. Aus der Sicht Amazons macht es also schon Sinn - aus der Sicht der meisten Kunden halte ich das für eher fraglich.
Wie schon so manch anderer Hype in den Führungsetagen wird sich auch dieser wieder legen - zumindest arg relativieren.
Btw:
Wir haben ähnliche Dienste so zwischen 1998 und 2001 angeboten - allerdings unter dem Begriff “Webmirror” (obgleich es kein reiner “Spiegeldienst” war). Mittlerweile haben wir den Dienst zugunsten anderer, passenderer Services eingestellt.
Cheers,
Niels.
Niels Dettenbach
Januar 14th, 2010
natürlich”Satellit” - sorry für den u.a. Typo(s)..
Niels Dettenbach
Januar 14th, 2010