Usability Testing mit Morae – einige Erfahrungen
Januar 5th, 2009Auf einer Konferenz habe ich einen Vortrag von dem Usability-Guru Jakob Nielsen gehört. Der brachte mich auf die Idee mit Software und Webcams richtige Usability Tests unserer Seite durchzuführen. Bisher hatten wir das immer eher informell gemacht. Zusätzlich machen wir natürlich jede Menge rein IT-gestütztes statistisches A/B-Testing.
Wir haben zum Relaunch von Hitmeister relativ ausgiebige Usability Tests mit Probanden in unseren Büros durchgeführt. Zum Glück hatte eine neue Mitarbeiterin von mir, Jennifer, während ihres Studiums erste Erfahrungen mit der Materie sammeln können.
Zur Durchführung der Tests haben wir uns nicht einer Agentur anvertraut, sondern selbst die notwendige Ausrüstung gekauft und die Tests selbst durchgeführt. Das kostet vielleicht € 1.500 für die Ausrüstung plus noch mal ein paar hundert Euro für die Probanden.
Die notwendige Ausrüstung:
- das Morae Bundel von Camtasia für ca. € 1.300
- eine Logitech-Webcam für ca. € 100
- und ein alter Laptop wurde als Testrechner umfunktioniert.
Die Probanden haben wir über www.catfire.net gefunden. Dort kann man für € 49 im Monat in einer Datenbank potenzieller Probanden suchen und diese nach einigen Kriterien aussuchen. Wir haben Personen gesucht, die repräsentativ für unsere Zielgruppe sind, sowie einige „Ausreißer“ (besonders jung, besonders alt usw.).
In einem Konferenzraum bei uns wurde für die Dauer der Tests ein kleines Labor eingerichtet. Jennifer saß mit den Teilnehmern im Raum und ist die Fragen durchgegangen. Die Produktmanager, Entwickler und Grafiker konnten sich jederzeit mit dem Morae Observer mit in die Aufnahmen einklinken und den Nutzer sehen und hören. Zusätzlich sieht man den Bildschirm und alle Eingaben. Die Tests wurden am Ende protokolliert und es wurden direkt konkrete Maßnahmen abgeleitet.
Wir haben während den letzten 8 Wochen des Entwicklungsprozesses jeden Freitag 3-4 Probanden da gehabt, um die Seite zu testen. Während am Anfang eher generelle Aufgaben getestet wurden, ging es in den späteren Tests immer tiefer ins Detail. Alle Produktmanager haben Aufgaben an Jennifer herangetragen. Die meisten Bereiche, wo unterschiedliche Meinungen zur besten Umsetzung herrschten, wurden direkt getestet. Genauso auch größere Änderungen. Die Ergebnisse der Tests sind dabei direkt in den Entwicklungsprozess wieder eingeflossen und wurden – wo möglich – direkt noch mal getestet.
Dieses Vorgehen hat bei uns extrem gut funktioniert. Die Tests ist wesentlich „runder“ rausgekommen als jemals ein Relaunch zuvor. Die Konversionsrate ist gestiegen, die Supportanfragen sind runter und alle sind glücklich.
Eine Anmerkung noch: wir waren unsicher, in wie weit man Testern unfertige Seiten zeigen kann. Das war überhaupt kein Problem. Fehlende Bilder, kaputte Bereiche usw. wurden geflissentlich ignoriert. Man kann also sehr früh testen, die Tester sind sehr tolerant!
Ich kann jedem Projektleiter, der noch 2-3k in seinem Finanzkrisen-strapazierten-Budget übrig hat, sich die Ausrüstung zu kaufen und in diese Kamera-Tests zu investieren. Die Ergebnisse sind wirklich extrem hilfreich.
P.S. Bevor jemand fragt: Nein dies ist kein gekaufter Beitrag von TechSmith, ich bin begeistert!




